Gehandelt werden virtuelle Währungen auf Krypto-Börsen, den "Wechselstuben" für virtuelle Währungen. Die dort herrschenden Preise orientieren sich in erster Linie am ökonomischen Grundsatz von Angebot und Nachfrage. Jedoch gibt es nicht nur einen Anbieter bzw. Börse, sondern eine Fülle an verschiedenen Plattformen, welche unter Umständen Einfluss auf die auf ihren Seiten vorherrschenden Preise nehmen.
Diese verschiedenen Anbieter unterschieden sich natürlich auch in anderen Aspekten voneinander und bieten diverse Vor- und Nachteile. Die überwiegende Mehrheit der Kunden orientiert sich in erster Linie an Kriterien wie der Benutzerfreundlichkeit, den Zahlungsmöglichkeiten und dem Sicherheitsaspekt.
Eine erste Hilfestellung dazu bietet die Webseite der Österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA). In der Unternehmensdatenbank der FMA können Nutzer österreichische Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen suchen und sich über diese informieren. Abrufbar sind unter anderem die jeweilige Firmenbuchnummer und die vergebene Konzession bzw. Registrierung als Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen. Scheint der ausgewählte Anbieter nicht auf, heißt das nicht notwendigerweise, dass dieser nicht seriös ist. Die meisten bekannten Anbieter haben ihren Sitz außerhalb von Österreich und finden sich daher nicht in der Liste der FMA wieder.
Durch eine einfache Google-Suche lassen sich unzählige Beiträge finden, die die einzelnen Anbieter untereinander hinsichtlich Angebots und Preispolitik vergleichen. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang vor allem Erfahrungsberichte und Rezessionen von anderen Nutzern, welche bereits Erfahrungen mit dem jeweiligen Anbieter gemacht haben. Sollte es in der Vergangenheit zu Sicherheitslücken oder gar Betrugsversuchen gekommen sein, kann man diese negative Historie sehr einfach den einschlägigen Webseiten entnehmen. Aber auch bei der Auswahl dieser Berichte sei Vorsicht geboten, da nicht alle Rezessionen und Beiträge der Aufklärung dienen. Manche sollen absichtlich falsche Hinweise geben oder andere Anbieter – in Realität seriöse Unternehmen – diskreditieren. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass (selten) auftretende technische Probleme oder (vereinzelnde) hohe Gebühren zwar Unmut bei manchen Nutzern erwecken könnten, jedoch nicht automatisch auf einen zwielichtigen Anbieter schließen lassen.
Viel wichtiger sind in diesem Zusammenhang sogenannte "Red Flags". Red Flags sind bestimmte Warnsignale, denen man vor allem im Bereich der Kontoerstellung und, im weiteren Verlauf, des Erwerbens von virtuellen Währungen Beachtung schenken sollte. Häufig sollen Kunden dazu bewegt werden, zusammen mit "Mitarbeitern" des Fake-Anbieters ein Benutzerkonto über das Telefon anzulegen. Diese versprechen eine Hilfestellung bei der "komplizierten" Registrierung und erhalten ohne Wissen der Nutzer Zugang zu deren Benutzerkonto.
Im Zuge der Registrierung ist ein privates Passwort zu wählen, das unter allen Umständen nur einem selbst bekannt sein sollte und nicht Dritten bekanntgegeben wird. Gleiches gilt für den sogenannten "Private Key". Dieser ist vergleichbar mit einem unverwechselbaren Schlüssel, mit welchem man Zugang zu dem jeweiligen Benutzerkonto erlangen, virtuelle Währungen verkaufen oder verschicken und das Konto sogar löschen kann.
Das allgemeine Serviceangebot bzw. der Support der Anbieter kann ebenfalls als Indikator dienen, ob es sich um einen seriösen Anbieter handelt oder nicht. Wird der potentielle Kunde von Anfang an über das Geschäft mit virtuellen Währungen aufgeklärt und wird ihm auch Hilfestellung diesbezüglich geboten, ist dies ein Zeichen von Seriosität. Vertrauenswürdige Anbieter haben meist auch einen 24-Stunden Support, der jederzeit für Fragen oder andere Anliegen bereitsteht.
Aufbau und Inhalt der Webseite des Anbieters verraten oft viel über dessen Seriosität. Erste Auskunft über das Unternehmen bietet das Impressum. Ist transparent nachvollziehbar, welche Personen hinter dem Anbieter stehen, wo dieser seinen Firmensitz hat oder wie die Firmenbuchnummer lautet, spricht dies für den Anbieter als seriöses Unternehmen.
Der Sitz des Unternehmens selbst verrät unter Umständen auch etwas über die Seriosität des Unter-nehmens. Standorte wie die Isle of Man, Zypern oder auch die Cayman Islands, welche vor allem auf-grund steuerlicher Begünstigungen als Unternehmenssitz gewählt werden, haben oftmals den Ruf als Standort für zwielichtige Anbieter zu fungieren. Des Weiteren ist die rechtliche Verfolgung des Anbieters in diesen Staaten im Streitfall von Europa aus nur eingeschränkt möglich.
Ein weiterer wichtiger Punkt zur Identifizierung zwielichtiger Anbieter ist die fehlende Möglichkeit virtuelle Währungen mit Fiat-Währungen, wie beispielsweise Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken, zu erwerben.
Zuletzt ist bei der Auswahl des richtigen Anbieters relevant, welche virtuellen Währungen erworben werden sollen. Nicht jede virtuelle Währung ist auch bei jedem Anbieter erhältlich. Bitcoin und Ethereum, die wohl bekanntesten virtuellen Währungen, werden nahezu bei jedem Anbieter angeboten. Plant man jedoch bereits im Vorhinein eine bestimmte virtuelle Währung zu erwerben, sollte das unbedingt bei der Entscheidungsfindung einfließen.
Die genannten Punkte sind eine nicht abschließende Auswahl an Möglichkeiten zur Differenzierung diverser Anbieter am Markt. In den nächsten Jahren werden virtuelle Währungen vermutlich vermehrt genutzt werden, sodass die Bedeutung von Krypto-Börsen wächst. Diese könnten zukünftig einen Großteil des Tagesgeschäfts von herkömmlichen Banken übernehmen. Daher ist die Seriosität des Anbieters virtueller Währungen von steigendem Interesse für Kunden.
Zusammenfassend kann es für den interessierten Nutzer auf den ersten Blick schwierig sein, einen seriösen von einem zwielichtigen Anbieter zu unterscheiden. Aus einer Kombination der oben angesprochenen Kriterien kann das Risiko einen weniger seriösen Anbieter auszuwählen, minimiert werden.
In jedem Fall ist es wichtig, dass Nutzer sich vor Registrierung bei einer Börse mit den diversen Vor- und Nachteilen der Anbieter auseinandersetzen, um das eigene Vermögen und die eigenen Daten zu schützen.
Autoren: Mag. Philipp Ley | Philip Plaute LL.B. (WU) | STADLER VÖLKEL Rechtsanwälte
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